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Das Thema Windkraft lockte 280 Zuhörer an (Holsteinischer Courier vom 11.01.2012)

Das Bürgerbegehren hatte Erfolg: Die Wattenbeker entscheiden darüber, ob Flächen für Windkraftanlagen ausgewiesen werden

Wattenbek. Informationen zum Thema Windkraft lockten vorgestern Abend etwa 280 Bürger aus dem gesamten Bordesholmer Land in den Plenarsaal des Bordesholmer Rathauses. Zu der Veranstaltung hatte die Gemeinde Wattenbek eingeladen, denn am Sonntag, 22. Januar, wird es dort einen Bürgerentscheid zur Windkraft geben.

Gut gefüllt war der Plenarsaal des Bordesholmer Rathauses. Das Interesse an Informationen über Windkraftanlagen war groß. Foto: Böge (2)

“Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Wattenbek eine ablehnende Stellungnahme zu der Fläche 170 im Entwurf der Teilfortschreibung des Regionalplans abgibt?” Darüber werden 2345 Wattenbeker ab dem 16. Lebensjahr abstimmen können. Die Gemeindevertreter hatten sich bereits mehrheitlich für die Ausweisung einer rund 140 Hektar großen Eignungsfläche für Windkraftanlagen ausgesprochen (der Courier berichtete). Dieser Beschluss ist jedoch gekippt, wenn die Mehrheit der Abstimmberechtigten die Frage mit Ja beantworten sollte.

Trotz des großen Zuspruchs und trotz des Themas, das in den meisten Orten sehr emotional diskutiert wird, verlief die Veranstaltung der Gemeinde Wattenbek sehr sachlich. Großen Anteil hatte daran der Moderator Dr. Otto Flagge. Der ehemalige Kieler Stadtbaurat im Ruhestand blieb über drei Stunden Chef im Ring und stellte erst einmal klar, dass er persönlich unabhängig von allen sei, die am Podiumstisch saßen. Dazu zählten neben dem Wattenbeker Bürgermeister Uwe Bräse der Bordesholmer Amtsdirektor Heinrich Lembrecht, Andreas Kunte, ehemaliger Mitarbeiter des Landesamtes für Landwirtschaft, Umweltschutz und ländliche Räume (ULLR), der Informatiker Hans Bernhard Korthaus (Langenhorn/Nordfriesland), der Biologe Bernd Kopp vom Nabu Plön und Diplom-Ingenieur Heinz Peter Busch, Sachverständiger für Schallimmissionsschutz.

Zum Auftakt vermittelte Andreas Kunte den Zuhörern einen Einblick in das Genehmigungsverfahren. Bis Mai 2011 war Kunte dafür beim ULLR zuständig. Der Fachmann beantwortete auch die Frage eines Zuhörers, wie von den Landesplanern die Eignungsflächen überhaupt ermittelt werden. Antwort: Folien mit Ausschließungsgründen, wie zum Beispiel denkmalgeschützte Gebäude, Stromversorgungsleitungen oder Naturschutzgebiete, werden übereinander gelegt. Die am Ende des Stapels sich zeigenden weißen Flächen gelten dann als Eignungsräume.

Moderator Dr. Otto Flagge sorgte für eine gute Atmosphäre während der Debatte.

Über tieffrequente Geräusche und Infraschall durch Windkraftanlagen berichtete Heinz Peter Busch mit der abschließenden Aussage, dass er als Gutachter seit 20 Jahren keine unzulässigen Belastungen für Anwohner feststellen konnte. Dem widersprach Hans Bernhard Korthaus aus Nordfriesland. Er führte aus, dass der von den Windmühlen erzeugte Infraschall (Töne unter 20 Hertz und damit für Menschen unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegend) unter anderem Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlafstörungen und erhöhten Blutdruck auslösen könne, wenn der Mindestabstand der Anlagen zur Wohnbebauung von bis zu 2,5 Kilometern nicht eingehalten werde. Seinen Ausführungen schloss sich aus den Zuhörerreihen eine Ärztin aus Negenharrie uneingeschränkt an.

Die Genehmigung der Eignungsfläche kann auch an einer Gefährdung der biologischen Vielfalt des Schutzgebietes Dosenmoor durch eine Windenergienutzung scheitern. Nach Erläuterungen des Biologen Bernd Kopp liegt das vor allem an den wegen des Artenschutzes besonders gefährdeten Greifvögeln (Rotmilan oder Seeadler), den Fledermausvorkommen und daran, dass Zugvögel die Planfläche 170 kreuzen. Der Flächenausweisung hatte bereits wie berichtet die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Neumünster in einer Stellung an das Innenministerium eine klare Absage erteilt.

Quelle: Holsteinischer Courier / Günter Böge

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