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Wattenbeker peilen Bürgerentscheid an (Holsteinischer Courier vom 05.11.2011)

Mit neun zu fünf stimmten die Gemeindevertreter für Windenergie-Flächen

“Jetzt weht der Wind den Gemeindevertretern um die Ohren. Wir sind zum Kampf entschlossen und werden uns schon am Sonnabend treffen, um ein Bürgerbegehren zu organisieren.” Das beschlossen rund 20 Zuhörer nach der Wattenbeker Gemeindevertretersitzung am Donnerstag im Gemeindezentrum. Sie sind empört und enttäuscht darüber, dass sich die Mehrheit der Ortspolitiker über die Köpfe der Bürger hinweg für die Ausweisung einer Eignungsfläche für Windkraftanlagen ausgesprochen hat.

Der Sozialdemokrat Günter von Seidlitz stimmte gegen die Flächenausweisung, obwohl er ein Windkraftbefürworter ist.

Das Areal (Nr. 170 im Entwurf der Regionalplanung) für eine noch unbekannte Anzahl von Windräder mit einer Rotorspitzenhöhe von 150 Metern ist rund 140 Hektar groß. Davon gehören 40 Hektar zur Gemeinde Bordesholm. Parteiübergreifend stimmten neun Vertreter dafür und fünf dagegen, Flächen für Windkraftanlagen auszuweisen. Zwei Gemeindevertreter fehlten entschuldigt. Volker Techow (CDU) besitzt Flächen im Ausweisungsgebiet und konnte wegen Befangenheit nicht mit abstimmen.

Vor dem Beschluss hatten sich rund 35 Zuhörer in der Einwohnerfragestunde über 60 Minuten

vehement gegen den Beschluss gestemmt. “Bei meiner Mitwirkung an der Wattenbeker Chronik haben wir uns auch intensiv mit dem historischen Landschaftsbild befasst. Haben diese Werte für die Gemeindevertretung heute keine so hohe Bedeutung mehr?”, fragte unter anderem Joachim Thomsen. Dazu meinte Bürgermeister Uwe Bräse: “Das muss jeder Gemeindevertreter für sich entscheiden.” Thomsen legte nach und fragte an, ob sich alle Vertreter darüber im Klaren sind, dass der Bau von Windmühlen zu einem Wertverlust ihrer Häuser führt. “Ich habe Verständnis für die betroffenen Anlieger, doch Wertausgleich ist nicht Sache der Gemeinde”, meinte dazu Amtsdirektor Heinrich Lembrecht.

Stadt Neumünster gegen Windräder am Dosenmoor

 

Wortmeldungen von Gästen aus den Nachbargemeinden waren nicht zugelassen. Doch nach der Versammlung sagte Gila Krix aus Negenharrie den Wattenbeker Windkraftgegnern die Unterstützung bei einem Bürgerentscheid zu.

Weil die Ausweisungsfläche bis an das Naturschutzgebiet Dosenmoor der Stadt Neumünster reicht, musste von dort eine Stellungnahme eingeholt werden. Wie zu hören war, hat die Neumünsteraner Naturschutzbehörde der Ausweisung der Windfläche eine Abfuhr erteilt.

Für eine Überraschung sorgte der Wattenbeker Gemeindevertreter Günter von Seidlitz. Der SPD-Politiker bekannte sich zur Windenergie und outete sich vor der Abstimmung als Fürsprecher der Eignungsfläche. Doch weil die Sache die Bürger so sehr bewegt, stellte er den Antrag, das Thema auf eine “breitere demokratische Basis” zu stellen. Seine Vorstellung von einer Bürgerbeteiligung – in welcher Form auch immer – wurde von der Mehrheit der Gemeindevertreter jedoch abgeschmettert. Günter von Seidlitz stimmte dann, wie unter anderem auch Bürgermeister Uwe Bräse (CDU), gegen die Ausweisung. Der Gemeindechef betonte in einer persönlichen Erklärung, dass seiner Auffassung nach die Nachteile einer Flächenausweisung überwiegen. Die Zuhörer dankten es ihm mit großem Beifall. “Wir haben den Fehler gemacht, nicht zusammen mit den Negernharriern und den Groß Buchwaldern einen Bürgerentscheid zu beschließen. Jetzt sorgen wir mit dem Beschluss für Zündstoff in der Gemeinde. Das hätte nicht sein müssen”, meinte ein Ortspolitiker, der nicht genannt werden wollte. In beiden Nachbargemeinden hatten die Wahlberechtigten der Ausweisung von Flächen für Windkraftanlagen mit großer Mehrheit widersprochen.

Quelle: Shz/Holsteinischer Courier (von Günter Böge)

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