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Energiewende

Zum Erhalt unserer modernen Gesellschaft, von Gesundheit und Umwelt ist es notwendig, bei der Energiegewinnung neue Wege zu gehen. Ziel ist es, die Ausbeutung endlicher Rohstoffe zu drosseln und vor allem umweltfreundlich und gesundheitsverträglich Energie zu erzeugen. Diese Ziele können nur durch umsichtiges Agieren erreicht werden. Blinder Aktionismus bringt sie sogar in Gefahr. Im Folgenden möchten wir vorstellen, was die Energiewende für uns bedeutet, wie wir unseren Energiehunger stillen können und warum die Nutzung der Fläche 170 den grundlegenden Gedanken der Energiewende widerspricht.

Zwang zum Umsteuern

Die Art wie in der Vergangenheit die Energie hergestellt wurde, die unsere moderne Gesellschaft benötigt, wird sich in den nächsten Jahren dramatisch ändern müssen. Aus verschiedenen Gründen sind die bisher hauptsächlich genutzten Techniken nicht zur Deckung des Energiebedarfs der Zukunft geeignet:

Verbrauch endlicher Ressourcen
Die fossilen Energieträger – Kohle, Gas und Öl – sind in sehr langsamen Prozessen über Millionen Jahre entstanden. Die Geschwindigkeit, mit der diese Energieträger in den vergangenen hundert Jahren verbraucht wurden, steht dazu in einem krassen Missverhältnis. Das führt dazu, dass diese Quellen voraussichtlich schon in wenigen Jahrzehnten versiegen werden. Die Auswirkungen spüren wir schon jetzt, etwa an der Tankstelle, oder bei der Jahresrechnung der Stadtwerke.


Umweltzerstörung
Das Verbrennen von Kohle, Gas und Öl setzt große Mengen an giftigen Schadstoffen und klimaschädigenden Gasen, vor allem Kohlendioxid, frei. Auch wenn sich die Technik in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat, sind die Emissionen herkömmlicher Kraftwerke immer noch Gift für unser Klima. Die voranschreitende Erderwärmung ist eine ernste Bedrohung, nicht nur für Anwohner der Küsten. Darüber hinaus werden die drohenden finanziellen Schäden von Experten so hoch beziffert, dass ein Festhalten an diesen Techniken vermutlich deutlich teurer wäre, als die aufwendige Umstellung auf neue Technologien.


Gesundheitsgefährdung und unbeherrschbare Risiken
Mit der zivilen Nutzung der Atomenergie glaubte man den Schlüssel zur Lösung des Energieproblems gefunden zu haben. Wie sich aber gezeigt hat, ist diese Technik letztlich nicht beherrschbar und birgt so enorme Risiken, dass ihre Nutzung unverantwortlich ist – sowohl gegenüber gegenwärtigen als auch zukünftigen Generationen. Erstaunlicherweise hat sich diese Erkenntnis erst nach der Katastrophe von Fukushima auch politisch in Deutschland endgültig durchgesetzt. Hätte man diese Technologie früher aufgegeben, und stattdessen Energie und Geldmittel auf die Entwicklung anderer Energiequellen verwendet, könnten wir heute schon bedeutend weiter sein. Anlässe gab es genug, und spätestens nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl im Jahre 1986 (!) kann man die vergangenen 25 Jahre als verschenkt ansehen.

Die Energiewende ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit.

Wo soll der Strom herkommen?

Die Nutzung der Windkraft ist absolut sinnvoll und unerlässlich. Windkraft ist zur Zeit die eleganteste und umweltschonendste Technik, die uns zur Stromerzeugung zur Verfügung steht.

Die Fläche 170 halten wir jedoch aus verschiedenen Gründen für die Nutzung der Windkraft für ungeeignet. Die ablehnende Haltung gegenüber der Fläche 170 wird oft als generelle Ablehnung der Windkraft missverstanden. Dabei geht es um konkrete, speziell nur diesen Standort betreffende Probleme, die auf den weiteren Info-Seiten auf diesem Server erklärt werden.

Die Ablehnung der Fläche 170 wird leider auch oft vorschnell mit Befürwortung der Atomkraft gleichgesetzt. Verkürzt wird behauptet, wenn man hier keinen Windpark baut, müsse man wohl bei der Atomkraft bleiben. Diese Darstellung ist allerdings völlig absurd.

Die Frage, aus welchen Quellen der Strom in Zukunft herkommen soll, kann auch von uns Laien nicht umfassend beantwortet werden. Im folgenden zeigen wir jedoch einige Möglichkeiten auf, die uns zum Teil heute schon zur Verfügung stehen.

Aktuelle Situation in Schleswig-Holstein

In unserem Land sind wir auf dem Weg zu umwelt- und gesundheitsverträglicher Stromerzeugung schon ein gutes Stück vorangekommen. Auf der Internetseite des Landwirtschaftsministeriums findet man dazu beeindruckenden Zahlen: Bis Ende Dezember 2010 waren in Schleswig-Holstein rund 2600 Windenergieanlagen (WEA) mit einer Nennleistung von 2900 MW installiert. Damit deckt unser Land schon jetzt rechnerisch ca. 44 % des Stromverbrauchs allein aus Windenergie.

Reserven für „Repowering“

Wie aus den oben genannten Zahlen klar wird, haben die WEA in Schleswig-Holstein eine durchschnittliche Leistung von nur 1,1 MW pro Anlage. „Nur“ aus folgenden Gründen: Durch die fortschreitende technische Entwicklung haben aktuelle Anlagen (z. B. Enercon E-101) eine Nennleistung von 3 MW. Dass der Durchschnitt der zum Teil schon viele Jahre alten Anlagen hierzulande deutlich darunter liegt ist nicht verwunderlich. Was allerdings erstaunt ist, dass die durchschnittliche Leistung pro WEA in Deutschland 2010 mit 2 MW beinahe doppelt so groß ist, wie eine Pressemitteilung des DEWI bestätigt .

Diese Zahlen lassen vermuten, dass allein durch das Ersetzen alter Anlagen in den nächsten Jahren die installierte Leistung in Schleswig-Holstein verdoppelt werden kann. Rein rechnerisch könnten dann – ohne Ausweisung neuer Flächen – bereits 88 % des Stromverbrauchs im Land aus Windenergie gedeckt werden.

Geeignete Flächen sind vorhanden

Schleswig-Holstein bietet in seinen dünn besiedelten Flächen große Potentiale zur Ausbau der Windenergienutzung. Wie z. B. im Nordfriesland Tageblatt nachzulesen war, wurden „allein vom Kreis Nordfriesland 11.000 Hektar Windflächen für den Landesentwicklungsplan angemeldet, die schon 1,5 Prozent der Landesfläche ausmachten, erläuterte (Bauamtsleiter) Jansen.“

Ausbau der Windparks auf See

Zur Zeit werden gewaltige Windparks auf See (offshore) geplant und gebaut. Der Bundesverband Erneuerbare Energie e. V. (BEE) erläutert auf seiner Internetseite: „Da die Windgeschwindigkeit dort höher ist und der Wind kontinuierlicher weht, versprechen solche Standorte jährlich bis zu 40 Prozent mehr Strom gegenüber einem guten Standort auf dem Festland.“ Der BEE geht in Übereinstimmung mit dem Bundesumweltministerium davon aus, dass bis 2020 auf See etwa 10 GW Nennleistung installiert wird, die dann 37 Mrd. kWh pro Jahr liefern wird. Auch der Branchenverband Windcomm empfielt „Den Wind nutzen, wo er am stärksten weht“ und schätzt dazu ab: „In Nord- und Ostsee sollen bis 2015 Windparks mit rund 3,6 GW Windkraft-Leistung in Betrieb gehen.“

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) veröffentlicht den aktuellen Stand zu den Flächenausweisungen und Genehmigungen und eine Übersichtskarte der Entwicklungen in der Nordsee auf seiner Internetseite.

Beim Vorhandensein der oben genannten Flächenreserven an Land und auf See mit gutem bis sehr gutem Windangebot erscheint es geradezu absurd, dass die Fläche 170, die laut Insider-Informationen bezogen auf die Windausbeute nur ein „B-Standort“ ist, mit allen ihren Konflikten trotzdem zur Nutzung ausgewiesen werden soll.

Einsparpotential

Die Frage „Wo soll der Strom denn herkommen?“ ist auch eng mit der Frage nach unserem Energiehunger verbunden. In der aktuellen Diskussion wurde immer wieder klargemacht „Wir können nicht immer nur ‚Nein‘ sagen“. Dem stimmen wir in der Hinsicht zu, dass jeder seinen Beitrag leisten muss.

Dieser Beitrag kann in jedem Haushalt erzielt werden. Die möglichen Einsparungen bergen gigantische Reserven: In einer Übersicht über den durchschnittlichen Stromverbrauch beim Portal „Strom-Prinz“ werden für den jährlichen Stromverbrauch eines 5 Personen-Haushalts 4600 kWh veranschlagt. Das diese Marke selbst mit kleinen Kindern im Haushalt deutlich unterboten werden kann, zeigen unsere eigenen Erfahrungen mit rund 3000 kWh Stromverbrauch pro Jahr. Das entspricht einer Einsparung von etwa 34 %.

Das Bundesumweltministerium geht in seinem Energieeffizienzplan ebenfalls von großen Einsparpotentialen aus. Dort heißt es: „D. h. im Klartext: Von diesem enormen wirtschaftlichen Stromeffizienzpotenzial müsste lediglich gut die Hälfte (54 %) tatsächlich erschlossen werden, um das Ziel einer 11 %-igen Senkung des Stromverbrauchs bis 2020 zu erreichen.“

Gefahr für die Ziele der Energiewende

Wieso betreiben wir die Energiewende? Weil die bisher genutzten Energieträger mit großen Gefahren für Mensch und Natur verbunden sind. Die Kernkraft soll nicht abgeschafft werden, weil es die Kernkraft ist, sondern weil sie Menschen krank macht und die Umwelt zerstört.

Das wichtigste Ziel der Energiewende ist doch, die Energieerzeugung umweltfreundlich und gesundheitsverträglich zu machen. Zukünftig würden durch Windräder auf der Fläche 170 in den Gemeinden Mühbrook, Bordesholm, Wattenbek, Groß Buchwald und Negenharrie schätzungsweise 7.000 Menschen einer möglichen Gesundheitsgefährdung ausgesetzt. Des Weiteren sind massive Schädigungen der Natur in diesem sensiblen Gebiet zu befürchten. Mit einem solchen Vorgehen führt man die Energiewende ad absurdum, indem man wieder neue Gefahren für Mensch und Umwelt erzeugt.

Wir wollen die Energiewende – natürlich auch mit Windkraft! Aber gerade deswegen sind wir gegen die Nutzung ungeeigneter Gebiete – nicht nur hier in unserer Nachbarschaft, sondern auch an allen anderen ungeeigneten Orten. Nur so können die Ziele der Energiewende auch nachhaltig erreicht werden, und unsere Kinder müssen nicht wieder eine neue Energiewende zum Wohl von Mensch und Natur bewältigen.