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Veränderung der Landschaft

Windkraftanlagen verändern das Landschaftsbild erheblich durch ihre außergewöhnliche Höhe, ihre Bewegung und Lärmentwicklung sowie durch die vorgeschriebene Beleuchtung als Luftfahrthindernis. Bis zu welchem Grad solche Veränderungen und die damit einhergehenden Einschränkungen akzeptabel sind, wird aufgrund der individuellen Betroffenheit des Einzelnen und der unterschiedlichen Wertschätzung für das kulturelle Landschaftsbild stark unterschiedlich bewertet. Die notwendige gesellschaftliche Diskussion darf nicht dadurch umgangen werden, dass nun durch die Windkraftbefürworter vorschnell Fakten geschaffen werden.

Größenvergleich verschiedener Bauwerke mit einem Windrad

Im direkten Größenvergleich: Mensch (< 2m), Wohnhaus (8 m), St. Johannis Brügge (42 m), Getreidesilo Bordesholm (56 m), Windkraftanlage (150 m)

Schon immer hat der Mensch die Landschaft verändert. Die abwechslungsreiche Feld- und Waldlandschaft, die unsere hügelige Heimat so unverwechselbar schön macht, wurde erst durch die Abholzung großer Teile des ursprünglich beinahe das ganze Land bedeckenden Waldes geschaffen.

Die menschlichen Siedlungen mit Ihren Bauwerken prägen neben Trassen für Auto- und Schienenverkehr und Strom das Landschaftsbild ebenso, wie die bunte Vielfalt unterschiedlich landwirtschaftlich genutzter Flächen. Viele dieser Merkmale verbinden wir mit intensiven positiven Gefühlen, etwa wenn wir von einer Reise kommend die Silhouette der Heimat erkennen oder wenn unser Blick bei einem Spaziergang über die Hügellandschaft auf die Klosterkirche von Bordesholm oder die Johanniskirche von Brügge schweift.

Es steht außer Frage, dass auch die modernen Windkraftanlagen (WKA) unsere Landschaft prägen. Ob wir damit positive oder negative Gefühle verbinden, hängt sehr vom Einzelnen ab und so kann schwer objektiv beurteilt werden, ob die Landschaft nun bereichert oder verschandelt wird. Einige landschaftsverändernde Eigenschaften der Windräder lassen sich aber sehr wohl objektiv erfassen und auch mit anderen Einwirkungen des Menschen auf die Landschaft vergleichen.

Höhe von Windkraftanlagen im Vergleich

Moderne Windräder sind, abgesehen von Spezialbauwerken wie z. B. Fernsehtürmen, die mit Abstand höchsten Bauwerke in unserer Landschaft. Zum Vergleich eine Gegenüberstellung der ungefähren Höhe verschiedener Bauwerke in unserer Umgebung.

Bauwerk Höhe
Überlandleitungsmasten 35 m
Johanniskirche in Brügge 42 m
Getreidesilo Bordesholm 56 m
Windrad (Stand der Technik, z. B. Enercon E-101) 150 m

Die visuelle Wirkung solch großer Bauwerke wurde unter anderem im Runderlass des Landes Schleswig-Holstein zur Planung von Windkraftanlagen vom 25. November 2003 beschrieben. Dort ist die Wahrnehmbarkeit von WKA mit 150 m Gesamthöhe in Abhängigkeit vom Abstand des Betrachters beschrieben:

Entfernung Visuelle Wirkung
< 300 m Abstand ist zur Wahrnehmung der vollen Objektgröße zu klein, das Objekt ist nur durch Umherblicken erkennbar
300 m 570 m Objekt ist unübersehbar, WKA nimmt ein ganzes bis 1/2 des Blickfeldes ein
570 m 1100 m dominant, voller Umriss der Objektgestalt ist mit einem Blick erfassbar. WKA nimmt 1/2 bis 1/4 des Blickfeldes ein
1100 m 2800 m subdominant, WKA nimmt 1/4 bis 1/10 des Blickfeldes ein
2800 m 40 km Max. Sichtbarkeitszone

Kaum Steuerungsmöglichkeiten

Eine eventuelle, z. B. durch die Gemeinde im B-Plan vorgeschriebene Begrenzung auf eine deutlich geringere Höhe erscheint aus rechtlichen Gründen kaum durchsetzbar. Da Anlagen mit 150 m Gesamthöhe dem aktuellen Stand der Technik entsprechen und kleinere Anlagen an einem Binnenstandort wie unserem mit nur mäßiger durchschnittlicher Windgeschwindigkeit kaum wirtschaftlich sind, wäre eine solche Begrenzung als sogenannte Verhinderungsplanung rechtlich nicht zulässig. Diese Ansicht hat auch der Bordesholmer Gemeindevertreter und Rechtsanwalt Dr. Niedersberg – Fachanwalt für Verwaltungsrecht, spezialisiert auf Energierecht – im Bezug auf die Fläche 170 wiederholt geäußert. „Die Gemeinde hat nur noch sehr
geringe Steuerungsmöglichkeiten”, heißt es z. B. im Protokoll der Bauausschusssitzung von Bordesholm am 5.10.2011.

Dynamik

Während die meisten von Menschen geschaffenen Eingriffe in die Landschaft statischer Natur sind, kommen bei Windkraftanlagen zwei dynamische Aspekte hinzu:

Rotation
Windkraftanlagen sind naturgemäß bewegte Bauwerke. Die Rotoren moderner Anlagen haben einen Durchmesser von 100 m oder mehr, deren Flügelspitzen bei einer normalen Rotationsgeschwindigkeit von 16 U/min etwa eine Geschwindigkeit von 300 km/h erreichen.
Blinkende Beleuchtung
Bauwerke mit einer Höhe über 100 m müssen zur Sicherheit des Luftverkehrs beleuchtet sein. Detaills zur Kennzeichnung sind in der Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen festgelegt.
Die sogenannte Befeuerung sieht bei WKA bis 150 m Gesamthöhe meist so aus: Zwei Leuchten auf der Gondel blinken im Doppeltakt tagsüber weiß und nachts rot (Schematische Darstellung der Befeuerung von WKA ).

Diese Bewegungen und blinkenden Lichter werden von vielen Gärten und Wohnräumen aus ständig sichtbar sein.

Einschränkungen für das Naherholungsgebiet

Die Landschaft südlich Wattenbeks ist mit vielen Wegen durchzogen und wird unter anderem von Fußgängern, Radfahrern und Reitern gerne in der Freizeit aufgesucht. Für diese offene Landschaft gibt es keine Grenzwerte für die Lärmbelastung, so dass die Ruhe, die viele in diesem Naherholungsgebiet suchen, voraussichtlich verloren gehen wird. Überdies sind Hundehalter hiervon betroffen, da manche Hunde empfindlich auf den für den Menschen nicht hörbaren Schall reagieren.

Des Weiteren hat Herr Eggersglüß, Energieberater der Landwirtschaftkammer Schleswig-Holstein, bei der Einwohnerversammlung am 25. Oktober die Vermutung geäußert, dass ein etwaiger Betreiber die Fläche rund um die Anlagen aus Sicherheitsgründen absperren wird.

Unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen auf die Landschaft

Auf der Gemeindevertretersitzung in Wattenbek am 3. November wurde auf die Frage nach der Landschaftsveränderung durch Windkraftanlagen angeführt, dass die Wohnhäuser der Bürger die Landschaft auch verändern. Das ist zweifellos der Fall. Art und Umfang des Eingriffs in das Landschaftsbild sind jedoch derart unterschiedlich, dass Wohnhäuser und ein Windpark in dieser Hinsicht wohl kaum vergleichbar sind.

Derzeitige, schnelle Veränderung der Landschaft in Schleswig-Holstein

Derzeit erlebt ganz Schleswig-Holstein eine erhebliche Veränderung des Landschaftsbilds aufgrund des landesweit ungeplanten Anbaus von Energiemais (Stichworte Vermaisung der Landschaft, Mais-Monokultur) im Zusammenhang mit dem Betrieb von Biogasanlagen, ermöglicht durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz des Bundes (EEG). Diese Veränderung wird gravierende Folgen haben, z. B. für unser Trinkwasser, da sich die Grundwasserqualität durch erhöhte Nitrat-Einträge verschlechtern wird.

Ganz vergleichbar zu diesem ungesteuerten Boom gesellt sich das einseitige Interesse, Windkraftparks an möglichst vielen Orten möglichst schnell aufzubauen, ohne Rücksicht auf den Erhalt des typischen Landschaftsbilds in Schleswig-Holstein. Angefeuert durch die Einspeiseförderung des EEG dominieren die vom Staat künstlich geschaffenen wirtschaftlichen Anreize, vergleichbar mit Subventionen. Die Berücksichtigung anderer gesellschaftlicher Werte spielt bei einseitiger Wirtschaftsförderung keine Rolle. Die Veränderungen sind so schnell, dass kaum Zeit besteht, den notwendigen gesellschaftlichen Einklang zu entwickeln, um eine Akzeptanz bei allen Betroffenen zu erzeugen und die möglichen unerwünschten Nebeneffekte abzumildern.

Im Zusammenhang mit dem Naturschutzgebiet Dosenmoor repräsentiert die Fläche 170 südlich von Wattenbek eine für Schleswig-Holstein typische Landschaft, die aus kulturellen Gründen, im Sinne eines Heimatschutzes eine hohe Wertigkeit besitzt. Bei sehr vielen Menschen in der Region besteht der Wunsch, diese Landschaft so zu erhalten.