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Wirtschaftliche Aspekte

Rund um die Windkraft hat sich mittlerweile ein ganzer Wirtschaftsbereich entwickelt, in dem erhebliche Geldsummen umgesetzt werden. Neben den professionell Beteiligten bei Entwicklung und Herstellung von Windkraftanlagen sowie Planung und Errichtung von Windparks sind zunehmend auch private Interessen im Fokus.

Standbein für Landwirte

Das Verpachten von Land an Betreiber von Windkraftanlagen ist eine sehr lukrative Einnahmemöglichkeit für Landbesitzer. Auch wenn heute die Verteilung der Pacht auf die verschiedenen Flächen eines Windparks meist mittels unterschiedlicher Schlüsselmodelle gerechter geregelt ist als es früher üblich war, sind für die Besitzer eines Mühlenstandortes pro Jahr etwa 30.000 € Pacht zu erwarten. Nicht selten fallen die Standorte mehrerer Windräder auf das Land desselben Besitzers, so dass dieser Betrag auch vervielfacht wird (z. B. auch in Wattenbek). Bei diesen Summen ist diese Einnahmequelle deutlich mehr als „ein Standbein“.

Ökostrom-Umlage

Zur Förderung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien wird bei den Stromverbrauchern die so genannte Umlage für erneuerbare Energien, kurz EEG-Umlage, erhoben. Diese beträgt laut einer Nachricht der Bundesnetzagentur im Jahr 2012 3,592 ¢/kWh netto. Bei einem Strompreis von 18,123 ¢/kWh (z. B. im VBB-Tarif „Bordesholmer Öko-Strom Sonderabkommen“) macht diese Umlage zur Zeit knapp 20 % des Strompreises aus.

Interessanterweise gibt es einige Schlupflöcher für Unternehmen, die besonders viel Strom verbrauchen. Sie können von einer Härtefallregelung profitieren und zahlen dann nur eine Umlage von 0,05 ¢/kWh (siehe Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes beim Umweltministerium). Diese Unternehmen werden also deutlich weniger an den Kosten der Energiewende beteiligt als Mittelstand oder Endverbraucher. Das Signal was damit gesetzt wird ist zumindest fraglich: Wer besonders viel Strom verbraucht, muss deutlich weniger für die Energiewende bezahlen.

Zusammenfassend kann man festhalten, was vielen vermutlich nicht bewusst ist: Wir Endverbraucher zahlen einen Teil der Energiewende dadurch, dass unser Strom etwa um ein Viertel teurer ist!

Immobilienwerte

Während die Äcker in ausgewiesenen Windeignungsgebieten im Preis stark steigen, sehen sich die Besitzer von Wohnimmobilien in der Nähe von Windparks starken Wertverlusten gegenüber.
Laut Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund sind Verluste von 30 % bis hin zu Unverkäuflichkeit keine Seltenheit. Diese Verluste entstehen zunächst nur theoretisch, da für die Bewohner ihr Haus seinen ideellen Wert als Heim behält, solange sie weiterhin dort wohnen. In einer Situation, in der die Immobilie verkauft werden muss, wird der Wertverlust dann real. So steht er möglicherweise einerseits persönlichen Plänen und Chancen wie z. B. einem Arbeitsplatzwechsel im Wege. Andererseits wird er zur Bedrohung der finanziellen Existenz, wenn aus gesundheitlichen Gründen ein Umzug notwendig wird (z. B. nach einem Unfall, einer schweren Erkrankung oder auch durch die vom Windpark selbst ausgehenden Gefahren für die Gesundheit). Nicht zuletzt stellt eine Immobilie für viele die Absicherung fürs Alter dar, etwa wenn der Verkaufserlös benötigt wird, um Unterbringung und Pflege zu finanzieren.

Bürgerwindpark

Das Konzept des Bürgerwindparks wird von vielen als Chance zur Mitbestimmung und als lukrative Einnahmequelle gesehen.

Bürgerwindparks werden oft als GmbH & Co. KG organisiert: Zunächst wird eine GmbH von den beteiligten Landeignern gegründet, die die Projektplanung übernimmt. Dazu wird in der Regel ein Planungsbüro beauftragt, dass unter wirtschaftlichen Aspekten die optimale Konstellation erarbeitet. Nach Abschluss der Planungsarbeiten wird dann zur Finanzierung des Projektes eine Kommanditgesellschaft (KG) gegründet, wobei die ursprüngliche GmbH den Komplementär darstellt. Weitere Kommanditisten sind dann interessierte Bürger (daher der Begriff „Bürgerwindpark“) und mehr oder weniger lokale Unternehmen, z. B. örtliche oder überregionale Energieversorger.

Kaum Einflussnahmemöglichkeiten

Da die Bürgerbeteiligung erst nach Abschluss der Planungsarbeiten möglich ist, ist in der Regel keinerlei Einflussnahme auf die wichtigsten Merkmale des Windparks möglich: Anzahl, Standort und Höhe der Windräder werden von der Planungsgesellschaft alleine nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten festgelegt. Des Weiteren sind die Stimmrechte in der Gesellschaft in der Regel abhängig von der Höhe der Einlage, so dass einzelne Bürger auch später praktisch keinen Einfluss haben.

Geldanlage mit Tücken

Vielleicht liebäugeln einige Wattenbeker bereits mit einer finanziellen Beteiligung an einem möglichen Windpark, um so auch ein „Stück vom Kuchen“ abzubekommen. Jährliche Auszahlungen von 8 % werden gerüchteweise gehandelt.

Anteil am Bürgerwindpark im Vergleich mit anderen Geldanlagen

Anteil am Bürgerwindpark im Vergleich mit anderen Geldanlagen

Auf einer Informationsveranstaltung in Negenharrie erklärte der Geschäftsführer des Bürgerwindparks in Wiemersdorf, Dr. Lüth, die Chancen und Risiken einer finanziellen Beteiligung an einem Windpark. In Wiemersdorf, der Standort ist bezüglich des Windangebots in etwa mit Wattenbek vergleichbar, wurden bisher durchschnittlich 7 % jährlich an die Anleger ausgeschüttet. Diese Ausschüttung ist aber kein reiner Gewinn, wie Dr. Lüth erklärte: Das eingezahlte Geld wurde ja in Planung, Bau und Betrieb der Anlagen investiert (sprich: ausgegeben), ist somit im Windpark gebunden und wird auch nicht mehr ausgezahlt. Die Einlage muss daher aus dem Kapitalrückfluss wieder aufgebaut werden. Bei 7 % Ausschüttung pro Jahr ist nach gut 14 Jahren gerade mal so viel Geld an den Anleger ausgezahlt worden, wie er eingezahlt hat. Zum Vergleich: Nach 14 Jahren hat ein Tagesgeldkonto mit 2 % Zinsen bereits 32 % Gewinn gemacht – ganz ohne Risiko und bei täglicher Verfügbarkeit des Geldes. Selbst wenn die jährlichen Ausschüttungen auch mit 2 % verzinst wieder angelegt werden, ist die Geldanlage im Windpark gegenüber dem Tagesgeldkonto erst nach etwa 17 (!) Jahren im Vorteil. Bei solch langfristigen Anlagen sind allerdings andere Anlageformen (zum Beispiel Festgeld) mit jährlichen Zinserträgen von 4 % und mehr wesentlich attraktiver als eine Windparkbeteiligung: Risikolos erwirtschaften sie ein Guthaben, das durch die Ausschüttungen von Windparkanteilen nicht erreicht wird.

Gefragt nach der Sicherheit der Geldanlage, antwortete Dr. Lüth, es handele sich weniger um eine Geldanlage als um ein unternehmerisches Engagement mit entsprechendem Risiko. Auch ein Totalverlust der Einlage sei möglich.
Als Geldanlage ist eine Beteiligung somit nur für risikofreudige Anleger geeignet. Verluste durch schwache Windjahre, Unfälle oder Totalausfälle z. B. durch Blitzschlag und Brand müssen einkalkuliert werden.

Steuereinnahmen für die Gemeinde ungewiss

Da zum jetzigen Zeitpunkt weder ein Windgutachten, noch Details zur Gesellschaftsform und andere wichtige Informationen bezüglich der Wirtschaftlichkeit eines Windparks in Wattenbek vorliegen, ist es ungewiss, ob und wenn ja in welcher Höhe Steuereinnahmen für die Gemeinde zu erwarten sind.

Gewinner und Verlierer

Ein Blick hinter die Kulissen macht deutlich, dass es bei einem Windpark einige Gewinner und zahlreiche Verlierer gibt. Den Landeignern sei der finanzielle Nutzen aus einem solchen Projekt gerne gegönnt, allerdings nicht, wenn andererseits eklatante finanzielle Belastungen für zahlreiche Mitbürger zu erwarten sind. Eine finanzielle Bereicherung zum Schaden anderer ist im sozialen Gefüge einer Gemeinde nicht akzeptabel.