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Morgen stimmen die Wattenbeker ab (Holsteinischer Courier vom 21.01.2012)

Bürgerentscheid zur Ausweisung von Flächen für Windenergie: 2345 Bürger ab 16 Jahren können ihr Kreuzchen machen

Wattenbek. Morgen ist es so weit: Die Wattenbeker können darüber abstimmen, ob die Gemeindevertretung ihren Beschluss zur Ausweisung von Windkraftflächen revidieren soll.

Anfang November hatten sich die Wattenbeker Gemeindevertreter mit neun zu fünf Stimmen für Windenergie-Flächen ausgesprochen. Dagegen wurde erfolgreich ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht, das morgen mit dem Entscheid endet. Es geht um die Fläche 170: Sie ist 141 Hektar groß und liegt zwischen Moor und Bondenholz. Beim Bürgerentscheid wird folgende Frage gestellt: “Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Wattenbek eine ablehnende Stellungnahme zu der Fläche 170 im Entwurf der Teilfortschreibung des Regionalplans abgibt?” Darüber werden 2345 Wattenbeker ab dem 16. Lebensjahr abstimmen können. Der Gemeindevertreterbeschluss kann gekippt werden, wenn die Mehrheit der Stimmberechtigten die Frage mit Ja beantworten sollte und diese Mehrheit mindestens 20 Prozent der Stimmberechtigten (470 Menschen) beträgt.

Windkraftanlagen vertragen sich nicht mit dem Naturschutzgebiet

Rund 50 Zuhörer füllten den Sitzungsraum im Wattenbeker Gemeindezentrum. Es gab keine kontroverse Diskussion. Foto: Böge

Informationen der Initiative “Bürger informieren Bürger” (BiB) gab es am Donnerstag im Gemeindezentrum. Die Initiative ist gegen die Ausweisung der Windkraftfläche Nr. 170. Zur Veranstaltung kamen rund 50 Bürger, die von den BiB-Sprechern Dr. Matthias Brunke und Stefan Bauchrowitz eingestimmt wurden. Ihre Botschaft an die Zuhörer: “Geht zur Wahl und lehnt die Fläche ab. Nur durch eine hohe Wahlbeteiligung mit möglichst vielen Ja-Stimmen können wir den Beschluss der Gemeindevertretung kippen.” Sie begrüßen ausdrücklich den Ausbau erneuerbarer Energien, speziell der Windenergie als derzeit verträglichster Technik zur Stromerzeugung. Die Errichtung von bis zu 150 Meter hohen Windrädern auf dieser Fläche hätte jedoch ihrer Meinung nach erhebliche negative Einflüsse auf die Natur, das Landschaftsbild und die Anwohner. Denn der Landstrich befindet sich in einem Siedlungsbereich in der Nähe des Naturschutz- und Erholungsgebiets Dosenmoor. Sie fordern daher einen Mindestabstand von 2,5 Kilometern. Zulässig ist aber zum Beispiel ein Abstand von 400 Metern bis zur Einzelhausbebauung und 800 Metern bis zum nächsten geschlossenen Wohngebiet. Auch die Flächenausweisung steht ihrer Ansicht nach im krassen Widerspruch zu den politischen Bekenntnissen zum Erhalt der biologischen Vielfalt und darf nicht wegen der Energiewende zu einem Kahlschlag bei anderen gesellschaftlichen Schutzgütern führen. Hinzu komme der Infraschall durch den Betrieb der Anlagen, dessen Frequenz unter 20 Herz liegt und daher von Mensch und Tier nicht wahrnehmbar sei. Damit in Verbindung gebracht würden Gesundheitsschäden wie unter anderem Schlafstörungen, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Ohrendruck, Schwindel und Übelkeit.

Die Gegner zweifeln auch die Notwendigkeit der Windräder an. Dazu erläuterte Dr. Matthias Brunke, dass schon jetzt rein rechnerisch ungefähr 44 Prozent des Stromverbrauchs in Schleswig-Holstein aus Windenergie gedeckt werden könnten. Dafür sorgten bereits rund 2600 Anlagen mit einer Nennleistung von 2900 Megawatt. Hinzu kämen Planungen zur Nutzung der Windenergie in der Nordsee, wo bis zu 10 000 weitere Anlagen entstehen sollten. Das macht aus Sicht von Brunke den Bau neuer Anlagen im Land überflüssig.

Windkraft ist eine klimafreundliche Energie

Da die große Mehrheit der Zuhörer gegen die Flächenausweisung eingestellt war, entwickelten sich keine kontroversen Diskussionen. In der zweieinhalbstündigen Veranstaltung meldeten sich auch keine Befürworter zu Wort, obwohl sie im Saal waren, darunter auch Gemeindevertreter, die für die Ausweisung der Flächen gestimmt hatten.

Der Courier lässt die Befürworter an dieser Stelle nochmals zu Wort kommen. Sie argumentieren unter anderem, dass die Nutzung der Windenergie ein wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen Energiewirtschaft sei und durch die Nutzung von Windenergie keine Ressourcen verbraucht und keine Abfall- oder Reststoffe produziert würden. Es werde auch kein klimaschädliches Kohlendioxid ausgestoßen. Die Befürworter sagen, dass die Nutzung von Windenergie keine elementaren Gefahren für die Menschen berge wie beispielsweise die Atomkraft. Schließlich spielt für sie der finanzielle Aspekt eine Rolle: Die Gemeinde habe Gewerbesteuereinnahmen zu erwarten. Es gebe finanzielle Anreize für Anleger durch einen Bürgerwindpark; entsprechende Absichtserklärungen der betroffenen Grundstückseigentümer liegen bereits vor. Und die Windenergie könne ein weiteres Standbein für Landwirte darstellen. Befürworter Sönke Schröder (CDU) sagt: “Wenn es ein Ja für die Ausweisung gibt, wird die Gemeinde die Planungshoheit mit größtmöglicher Bürgerbeteiligung ausüben.”

Das Wahlergebnis des Bürgerentscheids wird morgen ab 18.30 Uhr im Gemeindezentrum Schalthaus nach Auszählung der Stimmen von Bürgermeister Uwe Bräse (CDU) verkündet.


Es gibt am morgigen Sonntag einen Hol- und Bringservice der BiB für alle Wähler mit gesundheitlichen Einschränkungen, der unter Tel. 0 43 22/13 80 zu erreichen ist.

Quelle: Holsteinischer Courier / Günter Böge

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