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Zusammenfassung & Stellungnahme zur Informationsveranstaltung am 09. Januar 2012

Am 9. Januar 2012 fand im Bordesholmer Rathaus eine Informationsveranstaltung zum Bürgerentscheid in der Gemeinde Wattenbek über die Ausweisung der Windeignungsfläche 170 im Entwurf der Teilfortschreibung des Regionalplanes III statt.
In der vom Stadtbaurat a.D. Dr. Otto Flagge moderierten Veranstaltung referierten Dipl-Ing. Andreas Kunte vom LLUR, Dipl.-Ing. Peter Busch, Firmengründer der Akustik Busch GmbH, Dipl.-Inform. Hans Bernhard Korthaus sowie Bernd Koop vom NABU Plön. Allen Referenten standen 15 bis 20 Minuten für ihren Vortrag zur Verfügung.

Vorträge

Herr Kunte eröffnete den Abend mit dem Thema „Umweltauswirkungen und Genehmigungsverfahren von Windenergieanlagen“. Darin beschrieb er den Ablauf des Verfahrens. So wird neben der Stellungnahme der Gemeinde auch die Meinung aller relevanten Behörden in Bezug auf eine Windeignungsfläche eingeholt und bei der Entscheidung berücksichtigt.

Das private Ingenieurbüro von Herrn Busch führt seit Mitte der 90er Jahre Schallimmisionsmessungen für Windkraftanlagen durch. Herr Busch konnte anhand eigener Messungen an einer Windturbine keinen Unterschied zwischen dem Infraschall von ein- und ausgeschaltete Windkraftanlagen erkennen. Das heißt, dass eine Windturbine (unabhängig davon, ob sie betrieben wird) grundsätzlich – als riesiges technisches Windhindernis – Infraschall produziert.

Herr Korthaus zeigte mit Fotos, die in Schleswig-Holstein entstanden sind, wie dominant Windkraftanlagen das Landschaftsbild prägen. Darüber hinaus verwies er darauf, dass verschiedene unabhängige Studien aus den USA, Großbritannien und Dänemark zu dem Schluss gekommen sind, dass sich der von den Windkraftanlagen abgesonderte Infraschall negativ auf die Gesundheit der Anwohner auswirkt. Diese Ergebnisse decken sich dabei auch mit Erfahrungen aus seiner Gemeinde Langenhorn, in der bereits einige Windkraftanlagen betrieben werden. Anhand einer Grafik erläuterte Herr Korthaus, dass die finanzielle Beteiligung an einem Bürgerwindpark verglichen mit konservativen, risikolosen Geldanlageformen wie z. B. Festgeld weniger Gewinn abwirft.

Herr Koop stellte dar, inwiefern ein Windpark auf der Fläche 170 die Vogelwelt und Fledermäuse beeinflusst. Gerade für Greifvögel, Zugvögel und Fledermäuse ist das Risiko enorm. Greifvögel wie der Rotmilan haben eine lange Lebenserwartung und bekommen relativ selten Nachwuchs, daher ist jeder Verlust eines Greifvogels dramatisch, da die Verluste kaum durch Geburten kompensiert werden können. Zwei wichtige Zugvogelrouten führen genau durch die Fläche 170. Die Zugvögel bewegen sich dabei genau auf Höhe der Windkraftanlagenrotorblätter. Zudem ist bekannt, dass um die Fläche 170 herum 8 Fledermausarten leben. Seiner Meinung nach ist die Fläche 170 für Windkraftanlagen aufgrund der zu erwartenden schweren Schädigungen der Avifauna gänzlich ungeeignet.

Diskussion

Im Anschluss an die Vorträge kam es zu einer regen, größtenteils sachlichen Diskussion. Es lässt sich letztlich folgendes Fazit ziehen:

Aus Naturschutzsicht wäre die Nutzung der Windkraftfläche 170 eine Katastrophe. Herr Koop von der NABU Plön hat dies sehr sachlich und dennoch beeindruckend und anschaulich dargelegt. Auch die Untere Naturschutzbehörde Neumünster hat sich deutlich gegen die Windeignungsfläche ausgesprochen. Herr Goldammer, Vorsitzender der Ortsgruppe Bordesholm des BUND für Umwelt- und Naturschutz, hat seine neutrale Einschätzung von der Einwohnerversammlung am 24.10.2011 revidiert, da ihm die ablehenende Haltung der UNB Neumünster zu diesem Zeitpunkt nicht in Gänze vorlag.

Nicht so eindeutig wie beim Naturschutz ist die Faktenlage bei den Gesundheitsbeeinträchtigungen. Herr Busch betrachtet das Thema aus einem physikalischen Blickwinkel. Er hat Infraschall-Messungen durchgeführt und ist darüber zu dem Schluss gekommen, dass Windkraftanlagen keinen zusätzlichen Infraschall erzeugen und der Infraschall für den Menschen sowieso unterhalb der Hörschwelle liegt, wenn er einen bestimmten Lautstärkepegel nicht überschreitet. Es ist zwar wissenschaftlich korrekt, dass der Infraschall in den vorhanden dB-Bereichen unterhalb der Hörschwelle des Mensch liegt, allerdings wirkt er auch auf den Organismus, ohne dass das Ohr ihn als Ton wahrnimmt. Dieser Aspekt wurde nicht ausreichend gewürdigt, da Herr Busch über keine medizinische Expertise verfügt. Auf entsprechende Anfragen besorgter Bürger, die um ihre Gesundheit fürchten, hatten auch die Experten keine Antworten.

Es ist nicht möglich aufgrund einer rein physikalischen Betrachtung eine Gesundheitsgefahr auszuschließen. Das Robert Koch-Institut, zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und –prävention, wies bereits darauf hin, dass die Auswirkungen von Infraschall (bis 20Hz) und tieffrequentem Schall (bis 100Hz, nach Verabschiedung einer Überarbeitung 125 Hz) auf den menschlichen Körper noch nicht ausreichend und umfassend untersucht wurden.

Fakt ist, dass Menschen, die in der Nähe (400 – 1500 m) von Windkraftanlagen wohnen, über Beschwerden wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Herzrasen, die durch Infraschall hervorgerufen werden können, klagen.

Inwiefern man dem Glauben schenken kann, dass die Windkraftanlagen dafür verantwortlich sind, muss jeder selbst entscheiden. Es gilt aber zu bedenken: Es gibt kein „Ausprobieren“. Wenn die Windkraftanlage steht und sich bei Ihnen gesundheitliche Probleme einstellen, gibt es nur zwei Lösungen: Sie müssen lernen damit zu leben oder aber Ihre Wohnung oder Haus verlassen. Jeder muss selbst für sich entscheiden, ob er sich in dieses Risiko begeben will.

Neben den genannten Aspekten spielen auch die Veränderung des Landschaftbildes und der Wertverlust der Immobilien eine wichtige Rolle. Jeder Wattenbeker Bürger von diesen Effekten betroffen sein.

Auf Nachfrage, wie denn die Fläche 170 überhaupt in das Verfahren aufgenommen wurde, erklärte Herr Kunte, das sehr grobe Vorgehen des Innenministeriums: Dort wurden lediglich alle erfassten Flächennutzungen in Layern übereinander gelegt, die als Ausschlusskriterien anzusehen sind. Die frei gebliebenen Flächen wurden zu den Eignungsgebieten. Bei diesem Verfahren wurden die konkreten Gegebenheiten vor Ort überhaupt nicht berücksichtigt.

Welche Vorteile bietet die Fläche 170?

Es hilft selbstverständlich wenig, nur negative Fakten in die Betrachtung der Windkraftfläche 170 einzubeziehen. Vermutlich gibt es für jede Fläche das eine oder andere Argument, das gegen eine Ausweisung spricht. Daher ist es notwendig, die Vor- und Nachteile zu priorisieren und schließlich gegeneinander abzuwägen.

Unabhängig von den zahlreichen Nachteilen, bietet die Fläche bei objektiver Betrachtung nur einen Vorteil: Sie befindet sich in der Nähe eines Umspannwerkes und daher kann die gewonnene Energie leicht eingespeist werden. Diese Betrachtung ist allerdings sehr mager. Es ist nicht bekannt, wie groß die Windmenge in der besagten Fläche sein wird. Darüber hinaus sprach Herr Kunte davon, dass man in der Vergangenheit schon Anlagen zeitweilig zu Zeiten von Vogelzügen abgeschaltet hat. Wenn auch dies bei der Fläche 170 der Fall sein sollte und diese Einschätzung liegt nahe auf Grund des Berichts von Herrn Koop, müssen an der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit massive Zweifel aufkommen.

Was bringt die Anbindung an eine gute Infrastruktur, wenn auf Grund mangelnden Windaufkommens oder einer bewussten Abschaltung aus Naturschutzgründen kaum oder sogar gar kein Strom erzeugt werden kann?

Zum Abschluss noch ein paar Worte zum Thema Bürgerwindpark: Bürgermeister Bräse hat klar gesagt, dass es keine städtebaurechtlichen Verträge mit den Landeigentümern gibt. Es gibt laut dem Gemeindevertreter Herrn Herbert lediglich mündliche Absprachen, die aber selbstverständlich keinerlei rechtliche Relevanz haben. Das heißt also, dass es zwar theoretisch möglich ist, dass ein Bürgerwindpark entstehen kann, aber durch einer Votum für die Fläche 170 steht dies noch längst nicht fest. Die Landeigentümer können sich anschließend gegen einen solchen Bürgerwindpark entscheiden und ggf. lukrativere Angebote anderer Anbieter annehmen. Entsprechende Befürchtungen äußerte der Inhaber des Projektplanungsbüros „Neue Energien AG“ Jens Heeck aus Mühbrook. Eine Diskussion zu Risiken und Gewinnen für Bürger wurde nicht geliefert.

U.a. zum Thema Bürgerwindpark befinden sich im Übrigen sehr interessante weiterführende Informationen in unserem Informationsbereich.
Es ist letztlich an jedem Bürger sein eigenes Fazit zu ziehen:

  • Wie wichtig ist mir der Naturschutz in Region?
  • Wie sehr stören mich sieben bzw. bei Einbeziehung der Bordesholmer Fläche noch mehr 150 m hohe Anlagen, die auf Grund ihrer Höhe permanent blinken?
  • Bin ich in der Lage den Wertverlust meiner Immobilie anderweitig aufzufangen?
  • Kann ich die möglichen gesundheitlichen Gefahren hinnehmen und sind meine Familie und ich bereit damit zu leben?

Wie auch immer Ihr Entschluss ausfällt: Bekräftigen Sie ihn bitte durch Ihre Stimme am 22. Januar 2012.

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